In meinem 2. Teil Risikomanagement in Projekten möchte ich einen etwas detaillierteren Blick auf Risikoarten, den Umgang mit Risiken und auf mögliche Risikostrategien werfen.
Wie könnte man nun ein Projektrisiko definieren. Der Projektmanagement-Standard der IPMA (International Project Management Association ) die International Competence Baseline (ICB) hat hier eine wie ich finde – treffende und einprägsame Formulierung gefunden.
Definition Projektrisiken (ICB)
Unsichere Ereignisse oder mögliche Situationen mit negativen Auswirkungen
- auf den Projekterfolg insgesamt
- auf einzelne Projektziele
- auf einzelne Ergebnisse oder Ereignisse
Risikoarten
Umgang im Projektmanagement mit Risiken
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten wie man mit Risiken im Projekt umgehen kann. Nachdem die Risiken identifiziert wurden, müssen die Risiken klassifiziert und bewertet werden. Im Anschluss werden die relevanten Risiken selektiert, dann entwickelt man Maßnahmen zur Risikobewältigung und es erfolgt die Durchführung der Maßnahmen.
Risikoidentifikation
Die Risikoidentifikation findet in der Regel mit Hilfe von Risiko-Workshops statt. Eine weitere Möglichkeit können Checklisten, z.B. vom VDMA (Verband dt. Maschinen Anlagenbau) darstellen.
An einem durchzuführenden Risiko-Workshop nehmen unterschiedliche Spezialisten teil. Hier stellt der Projektleiter in einem ersten Schritt das Projekt vor mit dem Projektstrukturplan (PSP), den Meilensteinen sowie weitere relevante Dokumente die vorliegen bzw. erzeugt wurden. In einem zweiten Schritt findet ein Brainstorming zu möglichen Risiken, die man erkennen kann, statt. Danach wird gemeinsam die Eintrittswahrscheinlichkeit, die Konsequenzen und sinnvolle / notwendige Maßnahmen für jedes einzelne Risiko ermittelt.
Analyse / Bewertung
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten Risiken entsprechend monetär zu bewerten. Beispielsweise errechnet sich beim Schadensklassen-Ansatz der Risikowert wie folgt:
- Schadensklassen-Ansatz = Risikoauflistung in Tabelle mit Schadensklassen ( 1 = niedrig, 2 = mittel, 3 = hoch) und Schadenswahrscheinlichkeiten ( 1 = niedrig, ….. ,5 = hoch)
Risikowert = Produkt beider Ordinalzahlen (Risikowert = 1 .. 15)
Eine weitere Möglichkeit ist die Darstellung von A, B, C –Risiken in einer Tabelle oder einem Diagramm (mit Angabe der Eintrittswahrscheinlichkeit in % und der Schadenshöhe in €).
Eine sehr einfacher Ansatz für die Analyse / Bewertung von Projektrisiken kann wie folgt dargestellt werden. Hier werden die Risiken in einer entsprechenden Tabelle aufgelistet.
Sinnvoll ist es den einfachen Ansatz noch etwas zu erweitern und wie folgt darzustellen.
- EW = Eintrittswahrscheinlichkeit in %
- SH = Schadenshöhe in €
Grundsätzlich kann der Risikowert eines Risikos, der dann die Möglichkeit des Vergleichens gibt, wie folgt berechnet werden.
Eine weitere Möglichkeit Risiken zu bewerten stellt die monetäre Bewertung durch Schätzen der Wahrscheinlichkeit dar. Diese Methode ist jedoch nicht anwendbar bei Imageverlust oder bei Gefährdung von Menschenleben.
Basis der Risikoeinschätzung sind immer die Wahrscheinlichkeit des Risikoeintritts und der mögliche Schaden bei Eintritt des Risikos.
Die Überwachung der Projektrisiken muss dauerhaft über die gesamte Laufzeit des Projektes erfolgen, da sich die Risiken ständig ändern können. Hier ist zu empfehlen die Überprüfungen zu den Hauptmeilensteinen vorzunehmen.
Selektion / Klassifizierung
Sobald die Bewertung der Projektrisiken abgeschlossen ist, kann die Selektion und die Klassifizierung erfolgen. Hierbei werden die Risiken die z.B. eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit haben und bei Eintritt ein hoher Schaden entsteht definitiv selektiert – als hoch oder stark bzw. Priorität 1 – Risiken klassifiziert. Entsprechend der Höhe der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Schadenshöhe werden die weiteren Risiken klassifiziert und mit niedrigeren Prioritäten versehen.
Vorsorge
Nun gilt es für die zu betrachtenden Risiken entsprechende Maßnahmen zu definieren. Hierbei werden präventive und kurative Maßnahmen unterschieden. Die Vorsorge mündet im Grunde in der Definition von Strategien im Umgang mit den Risiken.
Risikostrategien
In der weiteren Betrachtung von Projektrisiken fehlen im Grunde nur noch Strategien im Umgang mit Ihnen. Hier haben sich die fünf klassischen Strategien entsprechend der Höhe der Eintrittswahrscheinlichkeit sowie der Höhe des Schadens bei Eintritt bewährt.
Je nachdem wo Sie die identifizierten Risiken im Quadranten einordnen, haben Sie dann die folgenden Möglichkeiten
- Risiken zu akzeptieren
- Risiken zu verlagern
- Risiken zu vermindern
- Risiken zu begrenzen
- Risiken ganz zu vermeiden
Was bleibt mir noch zu sagen?
Eigentlich wenig – schauen Sie sich die Möglichkeiten fürs Risikomanagement etwas genauer an und setzen Sie diese einfach mal in Ihrem nächsten Projekt um. Sie werden erstaunt sein, welche Erkenntnisse sich auf dem Weg zu den Projektzielen gewinnen lassen.
Im Grunde gibt es nun keine Ausrede mehr für fehlendes Risikomanagement im Projekt – oder?
Author: Yves Mollenhauer



5. April 2012 at 00:20
18. Februar 2012 at 12:33




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