In meinen 1. Teil zum Thema Risikomanagement in Projekten möchte ich kurz an den Anfang eines Projekts springen. Nicht dass ich jetzt bei Adam & Eva anfange – es ist aber immens wichtig zu verstehen wo wir eigentlich herkommen.
Um das ganze Thema etwas deutlicher zu veranschaulichen möchte ich hier ein Projektbeispiel heranziehen – in dem ich selbst tätig war.
- Einführung der MiFID im November 2009
Durch diese Gesetzesänderung in der Finanzbranche, waren im Grunde alle Banken und andere Unternehmen die in der Branche tätig sind betroffen.
- Was sind die Auswirkungen und wer ist alles betroffen?
- Welche Maßnahmen leiten sich daraus ab?
- Welche Risiken entstehen im Zusammenhang mit der Einführung fürs Unternehmen?
Schnell wurde klar es muss ein Projekt initiiert werden. Hierbei sollte im ersten Schritt (wie in jedem Projekt) – und eigentlich noch vor dem offiziellen Projektstart – das Umfeld des Projekts analysiert werden.
Projektumfeldanalyse, als Grundlage und Voraussetzung zur Identifizierung von Projektrisiken und für das spätere Risikomanagement im Projekt.
Getreu dem Motto “ein Bild sagt mehr als tausend Worte” – hier eine mögliche Darstellungsform.
Je intensiver man sich mit dem Projektumfeld beschäftigt, je mehr mögliche Einflussfaktoren auf das Projekt wird man identifizieren.
- Wer oder was nimmt Einfluss auf das Projekt?
- Welche Interessen verbergen sich hinter den einzelnen wer oder was?
- Wie kann wer oder was hinsichtlich der Position zum Projekt (positiv/negativ) bewertet werden?
- Welche Anforderungen an das Projekt sind durch wer oder was zu erwarten?
- Wie sollte man sich gegenüber wer oder was verhalten?
- Welche Chancen oder Risiken gehen vom wer oder was aus?
Es lassen sich noch mehr Fragenstellungen zu dem Einflussfaktoren (wer oder was) aus der Projektumfeldanalyse ableiten – ich will es jetzt aber mal bei diesen sechs belassen.
Die Projektumfeldanalyse berührt das Risikomanagement, die Kommunikation, die Projektführung und das Projektmarketing im Projektmanagement.
Gerade im Umfeld werden vor allem Einflussfaktoren (was) identifiziert wie (z.B. Gesetze, ökologische, ökonomische, gesellschaftliche, finanzielle Faktoren). Neben diesen Faktoren im Projektumfeld, sind vor allen die Stakeholder (wer) zu identifizieren.
Die Stakeholderanalyse und Projektumfeldanalyse sind somit untrennbar miteinander verbuchen. Beide Analysen liefern als Ergebnis Faktoren (was) und Stakeholder (wer) – die Einfluss auf das Projekt ausüben – zum Positiven wie auch zum Negativen.
Wichtige Schritte in der Stakeholderanalyse sind:
- Identifikation der Stakeholder und ihrer Erwartungen / Ziele
- Gliederung der Stakeholder in Stakeholdergruppen
- Bewertung der Einstellungen (positiv, negativ)
- Analyse und Bewertung des Einflusses der Stakeholder
- Ableitung von Strategien und Maßnahmen
Wenn wir uns die identifizieren Stakeholder und Faktoren hinsichtlich ihrer Konfliktwahrscheinlichkeit und ihres Einflusses auf das Projekt ansehen, könnte man dies grafisch so darstellen.
Jeder identifizierte Faktor und jeder Stakeholder hat eine eindeutige Zahl zugewiesen bekommen und wurde hier aufgenommen.
Leicht ist zu erkennen (ohne zu wissen wer welche Zahl zugewiesen bekommen hat), dass es 5 Faktoren/Stakeholder gibt die in beiden Disziplinen (Konfliktwahrscheinlichkeit/Einfluss als “niedrig” eingeordnet wurden. Hingegen gibt es immerhin 4 Faktoren/Stakeholder, die in beiden Disziplinen mit “hoch” eingestuft wurden. 4 Faktoren/ Stakeholder haben “hohen” Einfluss und die Konfliktwahrscheinlichkeit ist eher “niedrig” – dies trifft dann im umgekehrter Reihenfolge auf weitere 4 Faktoren/Stakeholder zu.
Sie fragen sich jetzt vielleicht, was dies alles mit Risikomanagement in Projekten zu tun hat.
Dennoch ist gerade die Projektumfeld- und Stakeholderanalyse immens wichtig, um mögliche Risiken für ein Projekt bereits in der Anfangsphase zu ermitteln und Maßnahmen abzuleiten.
Beide Analysen stellen mit ihren Ergebnissen quasi die Grundlage für das Risikomanagement im Projekt dar.
Um zum Beispiel die Faktoren/Stakeholder entsprechend in die einzelnen Sektoren des Quadranten einordnen zu können – hilf oft eine Art Checkliste.
Gerade im Umgang mit Stakeholdern, müssen Strategien entwickelt werden.
Die Projektumfeldanalyse und die Stakeholderanalyse werden natürlich nicht von einer einzelnen Person (womöglich durch den Projektleiter beauftragt) durchgeführt.
NEIN: Ein ganzes Team unterschiedlicher Spezialisten im Unternehmen sollte in einem Workshop diese Ergebnisse erarbeiten – sonst entstehen einseitige, subjektive und unvollständige Ergebnisse – die erhebliche Akzeptanzprobleme mit sich bringen können.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt auch – Was ist denn mit den ganz klassischen Risiken wie z.B. Terminrisiken, Kostenrisiken, Qualitätsrisiken?
Ja natürlich gibt es diese Risiken, auch sie müssen gemanagt und Maßnahmen ergriffen werden, damit diese Risiken nicht eintreten oder wenn, die Maßnahmen greifen die beschlossen wurden.
Wenn wir genau hinschauen, stecken die Ursachen für diese Risiken in den identifizierten Einflussfaktoren/Stakeholdern des Projekts.
Das Wissen um die Methoden – wie man Projektumfeldanalyse und Stakeholderanalyse durchführt – ist jedoch noch nicht der Garant dafür, die richtigen Risiken zu identifizieren und schon gar nicht die korrekten Maßnahmen abzuleiten.
Wie man Risiken bewertet, priorisiert und geeignete Maßnahmen plant und implementiert - darauf gehe ich im 2. Teil zum Thema Risikomanagement in Projekten ein.
Also seien Sie gespannt und ich freue mich wie immer auf Ihre Rückmeldungen.
Author: Yves Mollenhauer


Monday, February 6th at 12:20




Identifikation der Stakeholder und ihrer Erwartungen / Ziele
Gliederung der Stakeholder in Stakeholdergruppen
Bewertung der Einstellungen (positiv, negativ)
Analyse und Bewertung des Einflusses der Stakeholder
Ableitung von Strategien und Maßnahmen
Wie könnten wir die Einstellung eines Stakeholders zu Beginn des Projektes methodisch erfassen?
Sehr geehrter Kommentartor,
indem Sie die Einstellung der identifizierten Stakeholder ermitteln (sicher ist dies treffsicher nur mit etwas Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Stakeholdern möglich). Hier hilft jedoch eine genaue Umfeldanalyse (die man auf jeden Fall in einem Team von mind. 4 bis 5 Personen durchführen sollte) – unterschiedliche Meinungen zu Interessen und Beweggründen der Stakeholder sind sehr wichtig. Methodisch gehe ich hier nachdem die Einordnung der Stakeholder erfolgt ist, sehr pragmatisch vor. Excel raus – Spalte mit Stakeholdern – dahinter positiv, neutral, negativ dahinter die Kommuikationsstrategie je Stakeholder und dann wird im Team entschieden wie (also was und wie geht man konkret) mit jedem Stakeholder im Projektverlauf um z.B. Einladung zur Projektstatussitzungen, oder Fortschritt regelmäßig via Mail oder persönlich informieren usw. – da sind der Fantasie wenig Grenzen gesetzt. Wenn man nicht kooperativ mit bestimmten Stakeholdern umgehen will – VORSICHT – wie hoch ist der Einfluss dieses Stakeholders auf das Projekt? Dazu fällt Ihnen sicher auch was Passendes ein. Ich persönlich würde jedoch die Schaffung von Feinden im Projekt wenn es irgendwie möglich ist vermeiden – unterschätzen Sie nicht den Einfluss von Stakeholdern und den Einfallsreichtum wenn diese Personen sich erst einmal gegen das Projekt stellen. Hier muss der Projekterfolg im Vordergrund stehen – persönliche Dinge müssen zurückgestellt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Yves Mollenhauer