Der menschliche Faktor

Projektmanagement steht bekanntermaßen auf mehreren Kompetenzsäulen. Hierzu zählen die Methodenkompetenz, die Fachkompetenz, die Organisationskompetenz und die Sozialkompetenz.

Üblicherweise eignet man sich vieles in Kursen oder speziellen Seminaren an.  In der Zwischenzeit hat sich das Projektmanagement auch in die Hörsäle der Universitäten und Fachhochschulen gekämpft. Dort werden die Studierenden inhaltlich sehr gut mit den Methoden des Projektmanagements vertraut gemacht. Im Rahmen der Betriebswirtschaftslehre wird ebenso Know how in der Organisation von Projekten vermittelt.

Nach dem Studium (oder bereits innerhalb des Studiums), finden dann die ersten Schritte im wirklichen Projektleben statt – ach wie gut, dass man durch Lehre und Studium doch so gut auf die Realität vorbereitet ist.

Die Praxis des Projektmanagements zeigt sehr deutlich wie weit Theorie und Praxis auseinanderliegen.

Natürlich findet man Themen wie Projektorganisation, Meilensteinplanung, Termin- und Kostenplanung oder die Netzplantechnik in der Praxis sehr schnell wieder. Dies sind jedoch alles Methodengrundlagen im Projektmanagement.

Erfahrungen und Gespür für das was erforderlich, sinnvoll, zielführend und zum Zeitpunkt X notwendig ist – kann einem nur das Arbeiten in vielen Projekten vermitteln. Da hilft kein noch so gutes Studium.

Erfolg oder Misserfolg hängen hier von ganz wesentlichen Faktoren ab, die in uns selbst liegen und die es zu entwickeln gilt. Ich spreche vom sogenannten menschlichen Faktor oder auch der Sozialkompetenz. Hier spielen die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Menschen eine wichtige Rolle. Hier müssen die menschlichen Verhaltensweisen in den unterschiedlichen Situationen beurteilt und die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Es gilt sich mit Wünschen, Stärken, Schwächen und Ängsten auseinander zu setzen.

Genau diese Phänomene finden wir im Projektalltag wieder. Da gibt es Typen, die immer Recht haben und bei denen andere Meinungen nichts zählen. Oder die, die immer alles schwarz sehen, mit  Fähigkeiten ausgestattet – die an Hellseher erinnern und jeden Meilensteil und sein Erreichen die Daseinsberechtigung streitig machen.  Typen – die sich keine, nicht einmal die geringste Herausforderung zutrauen und denen jeder noch so geringe Mehraufwand zu viel ist.  Nicht zu vergessen sind die, die in jeder Kritik (sei es auch nur in kleinsten Anmerkungen) einen persönlichen Angriff sehen – sich dann wie kleine Kinder bockig und verstockt verweigern. Und noch eine Type möchte ich zum Abschluss nicht vergessen – ich nenne diesen Typ Projektmensch – den Ressourcenprediger. Für alles was vielleicht nicht bereits in der Planung bis ins kleinste Detail ausgeplant ist, werden zusätzliche Ressourcen benötig und bei jeder passenden Gelegenheit eingefordert.

Zugegeben – ich habe gerade vielleicht etwas übertrieben und nur die negativen Beispiele aufgezählt. Aber es gibt bestimmt auch in Ihrem Projekt den einen oder anderen Typen – der gut in meine Aufzählung passt. Und die fördern in der Regel nicht das Projektklima und sind auch nicht die Garanten für den Projekterfolg.

Brauchen wir denn jetzt ausgerechnet sowas auch noch – bei all dem Termin- und Kostendruck, der schon auf uns lastet – hat mich ein guter Freund und Projektleiter mal gefragt.

Ich sage dazu – das ist Projektmanagement und es gehört dazu wie der Meilensteinplan und der Change Request.

Und gerade dies ist so wichtig für den Erfolg in Projekten – die eigene Sozialkompetenz zu hinterfragen und sich bewusst zu sein, dass Projekte durch Menschen – mit Menschen und für Menschen gemacht werden.

Die hohe Kunst des Projektmanagement besteht darin, mit den Menschen gemeinsam erfolgreich über die Ziellinie zu kommen und der Arbeitsform Projekt die Komponente mitzugeben, die sie so erfolgreich macht – den menschlichen Faktor.

Author: Yves Mollenhauer

  • 2 Comments

Conversation:

  1. Lieber Yves Mollenhauer,

    von “Projektmensch” gibt es auch eine sympathischere “Sorte”, wie wir finden. Siehe http://www.projektmensch.com :-)

    Mit den besten Grüßen
    Holger Zimmermann

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