De-Mail erhitzt die Gemüter

E-Mails sind zum Kommunikationsmittel Nummer 1 geworden, die privat ebenso selbstverständlich genutzt werden wie in der geschäftlichen Kommunikation mit Geschäftspartnern. Neben der Einfachheit im Umgang mit E-Mails hat die  E-Mail aber entscheidende Nachteile: es fehlen Mechanismen im Bereich Authentizitätsprüfung, Integritätsprüfung und Vertraulichkeit. D.h. die E-Mail eignet sich nicht, sobald die Nachricht vertraulich ist, der Absender einwandfrei festgestellt werden muss oder es auf Unveränderbarkeit ankommt.

Um diese drei Prinzipien im Bereich der E-Mail-Kommunikation zu erfüllen, musste bisher auf die digitale Signatur und Verschlüsselungsmechanismen zurückgegriffen werden. Diese Verfahren sind jedoch für den privaten Nutzer oft zu teuer und/oder technologisch anspruchsvoll und haben sich daher nicht in der Breite durchgesetzt.

Unter dem Namen De-Mail positioniert sich eine Alternative am Markt, über die viel diskutiert wird. Bei der De-Mail sollen Nachrichten und Dokumente ab 2010 zuverlässig und vor Veränderungen geschützt in einem sicheren Kommunikationsraum zwischen registrierten Nutzern versendet werden können.

Mit De-Mail sollen laut Bundesregierung bereits 2010 auf Bürgerportalen „vertrauenswürdiger Geschäftsverkehr im Internet ermöglicht“ werden. Verankert im „Bürgerportalgesetz“ sind neue Kommunikationsplattformen geplant, welche den Nachrichtenaustausch dank eindeutiger Identifizierung vereinfachen und vor allem offiziell machen könnten. Dadurch könnten dann auch offizielle Behördenschreiben „per Mausklick“ versandt werden. Das Projekt Bürgerportale ist Teil der High-Tech-Strategie, des E-Government-Programms 2.0 sowie des auf der Kabinettklausur in Meseberg verabschiedeten „12-Punkte-Plans für ein bürgerfreundliches Deutschland“ der Bundesregierung. Es wird federführend vom Bundesministerium des Innern in Zusammenarbeit mit einer Reihe öffentlicher Institutionen sowie privater Organisationen und Unternehmen durchgeführt.

Am 08.10.09 ist das Pilotprojekt zur De-Mail mit einem sechsmonatigen Testlauf für die Bürger-E-Post De-Mail in der “T-City” Friedrichshafen gestartet wurden. Hans Bernhard Beus, Beauftragter für Informationstechnik der Bundesregierung, bezeichnete das Vorhaben als “wichtigen Baustein” für eine vertrauenswürdigere Online-Kommunikation. De-Mail sei “nicht in erster Linie ein staatliches Großprojekt“. Es werde vielmehr vorrangig von der Internetwirtschaft vorangetrieben. Werner Zorn (Informatikprofessor, erhielt die erste De-Mail von Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des Branchenverbands Bitkom) hofft, dass Deutschland mit der Initiative für eine verschlüsselte Mail international eine Vorreiterrolle einnehmen wird: Das Internet werde damit sicherer, zugleich würden sich “Exportmärkte” für deutsche Anbieter öffnen. De-Mail solle ein “internationales Erfolgsmodell” werden, um “global sicher zu kommunizieren“.

Auf große Einsparpotenziale für die Wirtschaft verwies Christoph Schmallenbach, Vorstandsmitglied der Generali Deutschland Holding. Allein die Versicherungsbranche verschicke jährlich über 800 Millionen Schreiben an ihre Kunden, wobei sie bislang vor allem auf den Postweg setze. Diese Kommunikation könnte künftig weitgehend digitalisiert werden.

Es entsteht also gerade ein neuer Markt und so verwundert es auch nicht, dass erste Anbieter als Provider an Bord sind und auf dicke Gewinne hoffen. So haben die Deutsche Telekom und der web.de-Betreiber United Internet die Richtlinien bereits umgesetzt, was einen Versand von sicheren E-Mails mit dem Zusatz „de-mail.de“ möglich macht.

Nicht mit an Bord ist bei dem Plan der Bundesregierung die Deutsche Post AG, welche durch den Service deutliche Einbußen im lukrativen Briefverkehr befürchtet. So erwartet die Bundesregierung, dass die deutsche Wirtschaft durch wegfallende Porto- und Druckkosten jährlich bis zu 1,5 Mrd. Euro sparen könnte. Ein Großteil davon würde dann aber der Deutschen Post an Umsatz fehlen, weshalb der Konzern einen eigenen Service gestartet hat und damit seinem Großaktionär Bund vor den Kopf stößt. Diesen nennt das gelbe Unternehmen Brief im Internet, bei dem zwar nicht auf Papier verzichtet wird, aber der Gang zum Briefkasten entfällt.

De-Mail verspricht Gewinne und ruft somit auch eine Menge an Befürwortern aber auch Gegnern, evtl. sogar Neidern auf den Schirm. Daher verwundert es auch nicht, dass es im Internet und in der Presse eine Menge Diskussionen rund um das Thema De-Mail gibt. Gerade gestern erst musste ich lesen, dass die DOXNET („The Document X-perts Network“ e.V. ) bei De-Mail ein Wörtchen mitreden möchte. So wurde Peter Dehm, Vorsitzender von DOXNET zitiert: „Bis dato war der sichere Austausch rechtsgültiger Dokumente zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen der klassischen Briefpost vorbehalten und das Tagesgeschäft unserer Mitglieder. Wenn die Deutsche Post AG sowie andere privatwirtschaftliche Anbieter in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung die unbestrittenen Vorteile von gedruckten, kuvertierten und frankierten Dokumenten nun auf das Internet übertragen wollen, muss unser Verband ein gewaltiges Wörtchen mitreden und darauf achten, dass in der Bewertung der Produkte und Dienstleistungen nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden“ .

Dem Leser der vielen Diskussionen im Internet wird schnell auffallen, hier fürchten einige Unternehmen Marktanteile zu verlieren und wehren sich mit Händen und Füßen. Klar ist auch, dass es bei jeder Einführung neuer technischer Verfahren Schwierigkeiten geben wird (ich spiele damit nicht bewusst auf Toll-Collect an), es stehen auch noch nicht die Kosten für den Service fest und der Rechtsrahmen muss auch noch geschaffen werden, aber dennoch denke ich sollte man dem Verfahren eine Chance einräumen.

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